Hausärzteverband Oberbergischer Kreis
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Der Kompromiss vom 15.10.2018 zur Entwicklung einer elektronischen Patientenakte: Funktioniert das ? 

Ein Kommentar des Vorstandes des oberbergischen Hausärzteverbandes zur hinter verschlossenen Türen am 15.10.2018 im BMG verhandelten Abmachung zur Entwicklung einer elektronischen Patientenakte:

 

 

Die Lösungen sind Teil des Problems !

 

Im seid 15 Jahren kaum vorankommenden "größten IT-Projekt der Welt" (U.Schmidt, frühere Gesundheitsministerin 2006) der Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen, wird jetzt das Modul elektronische Patientenakte mit Erwartungen und Begehrlichkeiten überhäuft .Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Krankenkassen aus dem Gefängnis der elektronischen Gesundheitskarte ausbrechen wollen und jetzt ihren Versicherten smartphone-gesteuerte persönliche elektronische Patientenakten unter Nutzung einer anderen Gesetzesgrundlage anbieten.

Gleichzeitig sollen die Praxen an eine technisch veraltete Struktur durch Gesetz zwangsweise angeschlossen werden mit Konnektoren und anderen Komponenten, für deren zuverlässiges Zusammenspiel niemand Garantien gibt, also die Praxen auf Risiken sitzen bleiben, die zu kompletten Systemabstürzen führen können.
Dieses wurde kürzlich von Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung als "Kinderkrankheiten" bezeichnet und es wurde versprochen, Testlabors zur Funktionalität einzurichten. Dazu muss noch angemerkt werden, dass künftige "Funktionalitäten" der eGK nur noch sehr eingeschränkten Tests unterzogen werden sollen, ehe sie bundesweit ausgerollt werden und ohne Evaluationsgutachten: 70 Praxen mit 1.400 Patienten in 8 Wochen in einer Testphase vor Rollout !


Da man aus politischer Gesichtswahrung das ehrgeizige Langzeitprojekt, welches den Berlin-Brandenburg-Flughafen übersteigt und bereits mehr als 2 Mrd. Euro verschlungen hat, nicht gleich zum Teufel jagen will, werden jetzt bei weiterhin erzwungenen Zwangsanschluss mit allerdings Fristverlängerung die neuen Wege entwickelt.


Nachdem sich BMG und die Mitglieder der Selbstverwaltung hinter verschlossenen Türen geeinigt haben, wurde heute die frohe Kunde einer Lösung mit Aufgabenverteilung zur elektronischen Gesundheitsakte verkündet.

Der Kundige stutzt allerdings dabei, denn das gab es bereits schon am Anfang der gematik-Konstruktion für die Telematikinfrastruktur.

Es hieß damals nur: Federführung !

Beteiligt damals dieselben Akteure, die sich jetzt die Aufgaben zuteilen: gematik, Krankenkassen, Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Eine Institution ist allerdings jetzt weg vom Fenster: die Bundesärztekammer.

Und wer sich erinnert: 2015 wurde wegen kompletten Versagens die gematik "neu aufgestellt", d.h. alles konzentrierte sich auf das Versichertenstammdatenmanagement in den Praxen (völlig unsinnig, macht kein Land sonst), den Aufbau der zentralen Komponenten, Ausschreibung von Konnektoren und anderen Bestandteilen, die jetzt zu "Kinderkrankheiten" führen, und den Zwangsanschluss der Praxen durch per Gesetz angedrohte Honorareinbußen.

 

Die frohe Kunde zur Einigung ist also in der Welt (sonst hatte Minister Spahn mit Übernahme der Umsetzung durch das Ministerium gedroht,was wahrscheinlich so schwierig wäre, wie den Berliner Flughafen mit Ministeriumspersonal zu betreiben!) und schafft mal wieder Luft für die laufend projizierte neue Welt der Digitalisierung.


Wird das klappen? Auweia, da kommen Zweifel auf!


Wer schafft Transparenz,wie werden die neuen Anwendungen getestet und in welchem Zusammenhang bei fehlender eGK-Testverordnung (wurde von Minister Spahn inm Mai 2018 außer Kraft gesetzt) Sicherheitsstandards für die Smartphone-Lösungen entwickelt und durchsichtig dargestellt, wer testet die Interoperabilität?

Und warum haben alle, die sich unter der Rechtsaufsicht des Ministeriums als Gesellschafter und im Beirat der gematik versammeln ,also quasi die Fachaufsicht haben, gleichzeitig die Aufgabe,das umzusetzen? Das geht eigentlich nur, wenn sie schnell auf die versprechenden Angebote der IT-Industrie eingehen, um Erfolge vorzuweisen.


Nachher sind sicher  alle zufrieden: der Minister (muss keinen Flughafen betreiben), die Krankenkassen (die Versichertendaten sind unter ihrer Obhut auf zentralen Servern), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (dass sie mitreden durfte,denn einen Flughafen kann sie auch nicht betreiben) und letztendlich die öffentlich-rechtliche gematik mit Betriebsverantwortung für die zentrale Telematikinfrastruktur (um beim Flughafenbild zu bleiben: reine Verantwortung für die technische Infrastruktur,aber nicht für den Flugbetrieb und das Zusammenspiel der Endkomponenten), womit sie dann nach mind. 17 bis 18 Jahren unbemerkt abgewickelt werden kann, ohne dass jemand zur Verantwortung gezogen wurde.

 

Halali!

 

In diesen aus den Chefetagen entwickelten Strategien und Konzepten fehlte Eines von Anfang an, nämlich die Berücksichtigung der Arbeitsabläufe in den Praxen und die Frage, wie diese sinnvoll und effektiv elektronisch unterstützt werden können. Gehört offensichtlich nicht zur Unternehmenskultur weder des Ministeriums noch der Selbstverwaltung !


Das ist nicht überall auf der der Welt so, auch wenn hier viele meinen, Top zu sein mit solchen Top-down-Strategien.

 

Beim Internationalen Hausärztetag am 21.09.2018 hat uns ein junger engagierter Kollege aus Estland dringlich darauf hingewiesen, dass wir bei allen Digitalisierungen,die unseren Bereich betreffen, von Tag 1 alles mitgestalten und auch prüfen müssen, sonst passiert genau der Schlamassel, den wir jetzt haben.

Vor 100 Jahren haben sich die Matrosen der kaiserlichen Marine geweigert, auszulaufen und in einem sinnlosen Kampf verheizt zu werden.Sie haben dann ihr Schicksal selber in die Hand genommen.

Für uns heißt das, wir brauchen Lösungen, die der Primärversorgung dienen und sind nicht Büttel fehlgesteuerter Entwicklungen! Ein Vertreter des niederländischen Hausärzteverbandes hat ebenfalls beim Internationalen Hausärztetag vorgetragen, dass sie es in den Niederlanden geschafft hätten, "Gesundheitsamateure wie Politiker und Bürokraten" aus den Fachebenen herauszuhalten. Dieses brauchen wir auch beim Digitalisierungswahn: einen skeptisch abwägenden Blick auch unter Bewertung möglicher Kollateralschäden und Verhindern, dass Geschäftsinteressen in das Hausarzt-Patienten-Verhältnis eindringen. Vieles wäre auch einfacher, wenn wir flächendeckend ein Primärarztmodell wie in der HZV hätten.Das ist preiswerter und die Patienten leben länger ohne Digitalisierungs-Hype.Seit einigen Tagen liegen die tollen Ergebnisse aus Baden-Württemberg dazu vor.

https://www.aerzteblatt.de/…/Elektronische-Patientenakte-Ei…

 

 

Stand: 16.10.2018

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