Hausärzteverband Oberbergischer Kreis
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Gematik und beauftragte IT-Firmen geben den Startschuss für das

Online Rollout Stufe 1

in der Erprobungsphase ab 4. Quartal 2014.

Nach jahrelanger Hängepartie: „Der Turnaround ist erreicht in einem der größten europäischen IT-Projekte“ mit dem „sichersten Datennetz in Deutschland. TI-das Netz für alle !“
(Prof. Elmer, Geschäftsführer der gematik)
Ärztliche Kritik und ablehnende Beschlüsse sind kein Thema für die gematik, die den Gesetzesauftrag vollzieht.

 

Ein Bericht aus Berlin

 

Die Gematik warb bei einer zentralen Informationsveranstaltung am 10.02.2014 in Berlin für das „gemeinsame“ Projekt der Telematikinfrastruktur mit Eintreten in das „Online Rollout Stufe 1“ (ORS1) vor ca. 100 geladenen Gästen des BMG,Landesregierungen, Kammern,KVen,Krankenkassen und einigen anwesenden Ärztinnen und Ärzten des Telematik-Beirates der Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe.

Es gab eine schnelle Folge von Referaten von Vertretern der gematik sowie der beteiligten IT-Firmen mit jeweils kurzer Gelegenheit zu Fragen .

Demnächst sollen weitere Informationsveranstaltungen in den Testregionen Bochum-Essen, Flensburg, Trier und Ingolstadt sowie Sachsen erfolgen.

Ein Bericht zu den wesentlichen Inhalten der Veranstaltung:

Der Geschäftsführer der gematik,Prof. Elmer, appellierte zu Beginn und am Ende fast euphorisch nach der langen bisherigen Hängepartie an die Gemeinsamkeit, dieses Projekt jetzt voranzubringen.

Nach der Erprobungsphase in ca. 1.000 Testpraxen inkl. Zahnärzten, 5 Krankenhäusern und 1 Uni-Klinik im 4. Quartal 2014 zu den Anwendungen online-Versichertenstammdatenmanagement (auch als sogenannte stand-alone-Lösung) und qualifizierter Signatur als Basisanwendung mit dem elektronischen Heilberufsausweis und „Migration in vorhandene Netze“(KV-Safenet) soll nach Auswertung der Erprobungsphase durch Teilnehmerbefragung und wissenschaftliche Begleitevaluation der bundesweite Rollout erfolgen und danach ein „schneller“ Einstieg in die projektierten nächsten Anwendungen: Notfalldatenmanagament, elektronische Fallakte und Prüfen der Arzneimittelsicherheit.

 

Die Rolle der gematik: „Wir sind eine neutrale Organisation,stehen nicht im Wettbewerb und erfüllen einen gesetzlichen Auftrag.“

 

„Wir haben die große Chance, jetzt ins Feld zu kommen.“ Wir bauen diese Autobahn nicht nur für Versichertenstammdatenmanagement “führte Elmer aus. Die Telematikinfrastruktur soll 208.000 Haus-,Fach- und Zahnärzte und Psychotherapeuten vernetzen sowie 2.100 Krankenhäuser, 21.000 Apotheken und das Versichertenstammdatenmanagement von 70 Mio. GKV-Versicherten in 134 Krankenkassen stemmen. „Jetzt geht es endlich und richtig nach vorne.“

 

An der Seite der gematik mit 170 IT-Experten stehen nach Ausschreibung der Lose für die einzelnen Komponenten die Fa.T-Systems („Wir haben das Gesundheitswesen als strategisches Ziel erkannt und stellen vielfältige IT-Lösungen bereit“) , ein Konsortium von Booz, Compu-Medical-Group und KoConnect (dezentrale Systemkomponenten und Management) und avato -Systems für die zentrale TI-Struktur (VPN-Tunnel, zentrale Rechner zur Überprüfung der Zugangsberechtigung zur TI-Struktur,Störungserfassung in Real-Time etc.) an der Seite.

Avato ist eine 100prozentige Tochter von Bertelsmann mit 63.818 Mitarbeitern in 40 Ländern mit einem Jahresumsatz von 4,45 Mrd. Euro, die Tochter avato-Systems betreibt mit ca. 2.500 Mitarbeitern mehrere Rechenzentren in Deutschland.. „Avato ist der führende globale BPO-Anwender.“

 

Mit dieser Aufstellung wurde Optimismus verbreitet, dass man das jetzt schaffen werde und das „sicherste Netz in Deutschland“ für die geplanten Anwendungen bereitstelle. „70 Mio. Versichertenkarten haben 70 Mio. Schlüssel, einen zentralen Schlüssel gibt es nicht. Es wird Wert auf höchste Datensicherheit gelegt und die Sicherheitsstruktur fortlaufend angepasst.“

 

Mit Spannung wurden die Konkretisierungen zu den Testregionen erwartet.

Nachdem die IT-Firmen die Anwendungen im Labortest durchgeführt haben mit Prüfung und Bewertung durch die gematik soll im 4. Quartal die Erprobung in ausgesuchten Arzt- und Zahnarztpraxen und Krankenhäusern und Psychotherapeuten nach einem von der gematik vorgegebenen Mengengerüst erfolgen (s.o.).Von den mindestens 500 Leistungserbringerinstitutionen sollen 125 Zahnärzte sein und 375 Ärzte, davon mind. 40 Prozent Hausärzte , jeweils in der Testregion Nordwest und Südost.

Zunächst sollen in einer Vorpilotierung 20 Praxen beteiligt werden, die dem TI-Projekt aufgeschlossen gegenüber stehen („friendly user“).

Die Praxis-Software-Voraussetzungen in den Arztpraxen und Krankenhäusern sind festgelegt.

Bei den Arztpraxen handelt es sich in der Testregion Nordwest um CGM-Medistar,CGM-Turbomed,Psyprax,Hasomed, CGM-Albis und im Südosten um Psyprax,Mediatixx-x-comfort,Mediatixx-x-concept, Frey,i-Soft.

 

Wie werden die Arztpraxen für die Erprobungsphase ausgesucht ?

 

Die Antwort: Die Compu-Medical-Group mit ihren 200 Partnern vor Ort sucht mögliche Teilnehmer aus , die hinsichtlich eines möglichen Interesses eine mail (ab 24.02.2014)und ein „Nachfass-Fax“(ab 03.03.2014) erhalten. Bei Interesse erfolgen dann 1-2 Gespräche vor Ort und anschließend kann ein 12-seitiger Vertrag zur Erprobungsteilnahme abgeschlossen werden. Im Laufe dieser Akquise erhalten die KVen Gelegenheit zur Stellungnahme, was juristisch als „Benehmensherstellung“ bezeichnet wurde. Für die Teilnahme an der Erprobung soll eine Grundvergütung und eine aufwandsabhängige Vergütung gezahlt werden, deren Höhe durch die gematik festgesetzt wird.

 

Der Vertreter der CGM, der bis vor einigen Jahren bei einer Krankenkasse arbeitete, zeigte sich sehr zuversichtlich, dass man über dieses Vorgehen die Erprobungspraxen rekrutieren kann.

In den Praxen werden dann die technischen Voraussetzungen geschaffen (Erweiterung der Kartenlesegeräte zum eHealthTerminal, Installation des Konnektors, Schulungen).

 

In den Testregionen werden für Störfälle Hotlines und Experten vorgehalten.

 

Die Zeitvorgaben (Performance) für das Online-Versichertenstammdatenmanagement lauten:

Lesen der Versichertenstammdaten ohne online-Prüfung 4-5 Sek.

Lesen der Versichertenstammdaten mit online-Prüfung 4-5 Sek.

Lesen der Versichertenstammdaten mit Online-Prüfung und Aktualisierung der Daten: 7 Sek. (tolerabel 13 Sek.)

 

In der Erprobungsphase sollen gemessen werden:

  • Praxistauglichkeit

  • Akzeptanz

  • Betriebstauglichkeit

  • Datenschutz

  • Funktionalität

  • Interoperabilität

  • Kompatibilität

  • Stabilität

  • Sicherheit

 

Bei der Erprobung soll bei jedem Praxiskontakt das Versichertensatmmdatenmanagement durchgeführt werden.

 

 

Eine begleitende sozialwissenschaftliche Evaluation (das Los dafür wird derzeit ausgeschrieben) soll Akzeptanz und Auswirkungen bei den teilnehmenden Praxen und Patienten erfassen. Mit Ende der Erprobungsphase soll die Auswertung zeitnah vorliegen.

 

Die teilnehmenden Praxen sollen ein Plakat erhalten:

„Diese Praxis nimmt exklusiv an einem für das deutsche Gesundheitswesen wichtigen Projekt teil, um Sie in Zukunft noch besser gesund zu erhalten oder therapieren zu können.“

 

Fragen aus dem Publikum:

Werden die beteiligten Versicherten hinsichtlich einer Teilnahme befragt ? (Frage eines Kassenvertreters)

Antwort des gematik-Vertreters: Ist nicht vorgesehen, Aufklärungspflicht liegt bei den Kassen.

 

Wie ist es mit der Kann-Bestimmung der 3. eGK-Testverordnung zur Einrichtung von Beiräten in den Testregionen unter Beteiligung von Patientenvertretern?

Antwort Prof. Elmer: „Es gibt ja die ARGE, den Beirat in NRW und den Beirat der gematik.“ und „Wir brauchen mehr Kommunikation nach vorne mit Versicherten und Patienten.“ und „Beiräte müssen intensiviert werden.“

(Anmerkung: in den aufgeführten Beiräten sitzen keine Patientenvertreter).

 

Frage: Von einem Projektleiter liegt die Aussage vor, dass Krankenkassen in ihren Geschäftsstellen bereits Versichertenstammdaten prüfen und aktualisieren. Diese „französische Lösung“ sei eine Forderung der Ärzteschaft . Sind der gematik Zahlen und Fakten dazu bekannt ?

Antwort: Keine Erkenntnisse.

 

Frage: Die eGK ist jetzt wegen des nicht verifizierten Fotos in die Kritik geraten. Wie soll jetzt noch Sicherheit sein?

Antwort: Die Karten sind ausgegeben.

 

Abschließend nochmals der Appell von Prof. Elmer an das gemeinsame Projekt . „Die bösen Kritiker werden wir nicht überzeugen können, aber gemeinsam können wir das nach vorne bringen.“

 

Dr. Ralph Krolewski

Hausärzteverband Nordrhein

 

10.02.2014

 

Fast drei Jahre später ist die Testphase aufgrund technischer Schwierigkeiten (Sicherheitsanforderungen an die Rooter) noch nicht in Gang gekommen, aber in 2017 sollen die ersten Tests für das Versichertenstammdatenmanegement über die Telematikinfrastruktur in 23 Praxen beginnen. Der Anfang 2014 vollmundig angekündigte Durchbruch ist noch weit entfernt.

 

03.12.2016

 

 

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