Hausärztinnen- und Hausärzteverband Oberberg
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Das Völkerrecht soll die Täter zur Rechenschaft ziehen und für die Opfer Gerechtigkeit bringen

Als Folge der Verbrechen gegen die Menschlichkeit als Rechtsgrundlage für die Nürnberger Prozesse der Alliierten gegen hochrangige Nazi-Täter und Einsatzgruppenführer wurde das Völkerrecht definiert und 1948 von der UN-Vollversammlung verabschiedet. Der aus Siebenbürgen stammende US-Jurist Ben Ferencz war nach Dokumentation der Verbrechen von über 3000 Nazitätern in den Vernichtungslagern Anklagevertreter in Nürnberg im Einsatzgruppen-Prozess.

Er hat in der Folge unablässig für die Einrichtung des Internationlen Strafgerichtshofes in Den Haag gekämpft. Die zugrundeliegenden "Römischen Verträge" wurden von 125 Staaten unterzeichnet, darunter alle Staaten der Europäischen Union.

Ben Ferencz wurde 103 Jahre alt und trug immer die Menschenrechte bei sich. Sein Motto lautete: "Make Law, not War."

 

Damit wurde der Weg zur weltweiten Strafverfolgung nach Sichtung und Bewertung der Beweismittel und geregelte Gerichtsverfahren eröffnet. "Das ist die Angelegenheit der gesamten Menschheit" wird der damilige UN-Generalsekretär Khofi Annan zitiert.

 

In einem der großen Prozesse vor dem unabhängigen Gericht wurde z.B.  Radovan Karadzic als Verantwortlicher für das Massaker von Srebrenica und Menschenrechtsverbrechen in Bosnien nach über 400 Verhandlungstagen und über 3.000 Zeugenaussagen zu einer Haftstrafe von 40 Jahren wegen Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt.

Das im März 2016 veröffentlichte Urteil mit allen Fakten und Begründungen umfasst mehr als 2.600 Seiten. In diesen Prozessen kommen die überlegenden Opfer zur Sprache, alle Beweismittel, die Verteidigung nach den internationalen Rechtsprinzipien , stellen damit ein umfangreiches Instrument der Wahrheitsfindung dar und ziehen Täter:innen zur Rechenschaft. Vor diesem Recht sind alle gleich.

 

Bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den renommierten Völkerrechtler und Anwalt am Internationalen Strafgerichtshof Philippe Sands am 13.10.2026 sprach Sands als ebenfalls Autor mehrerer bewegender Bücher zu Menschen, Tätern und Opfern bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Genozid zur Verantwortung und Bedeutung der Prinzipien des Völkerrechts, ein engagierter Appell für die Durchsetzung des Rechts der Menschen gegenüber staatlicher mörderischer Willkür und der Verantwortlichen dafür.

 

 

Prozesse gegen Nazi-Ärzt:innen

1946 bis 1947 fand in Nürnberg der Prozess gegen NS-Ärzt:innen statt. Als Berichterstatter für die Westdeutschen Ärztekammern waren Alexander Mitscherlich und Fred Mielke vor Ort und schrieben den Bericht: "Medizin ohne Menschlichkeit".

 

Fast die gesamte Auflage wurde darauf von den Ärztekammern aufgekauft und verschwand in Kellern, während einige Exemplare an den Weltärztebund geschickt wurden zur Dokumentation der "Vergangenheitsbewältigung".

 

Ärzt:innen waren beteiligt an verbrecherischen Menschenversuchen in Konzentrations- und Vernichtungslagern, selektierten jüdische Menschen und Angehörige anderer  Gruppen z.B.  an der Rampe in Auschwitz  für das Arbeitslager oder in die Gaskammer zu millionenfacher Ermordung.

Zuvor war die Ermordung von Menschen mit psychischer Erkrankung eingeleitet worden, wurde aber offiziell 1942 nach Protesten aus der Bevölkerung offiziell gestoppt,  wurde aber als "wilde Euthanasie" weiter von Ärzt:innen den sogenannten Heil- und Pflegeanstalten fortgeführt. Über 200.000 psychisch kranke Menschen fielen diesem organisierten Krieg gegen sie zum Opfer. Nach Beendigung der offiziellen "T4-Aktion" wurden die Gaskammern in der Heil- und Pflegeanstalt 1942 in Bernburg an der Saale abgebaut und nach Auschwitz in das neu errichtete Vernichtungslager gebracht.

 

Der Organisationsgrad von deutschen Ärzt:innen in SS und SA war hoch.

 

Nach 1945 war eine ganze Generation von NS-geprägten Hochschullehrer:innen an den Universiäten aktiv . Bis die 80er Jahre und länger dauerte die historische Darstellung der Verstrickung und Aufdeckung von Beteiligungen im NS-System wie auch bei Juristen und Journalisten.

 

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