Hausärzteverband Oberbergischer Kreis
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Drohender Wegfall von 25-30% der Hausarztpraxen und die Auswirkungen: Der DOMINO-Effekt

Die vier grundsätzlichen Aufgabenstellungen der hausärztlichen Medizin nach der Weltgesundheitsorganisation und der Weltworganisation der Nationalen Hausärztverbände WONCA:

1. Erstkontaktmöglichkeit für jedes Anliegen

2. Personen- und nicht krankheitsbezogene Langzeit-Versorgung

3. Umfassende Versorgung für die meisten gesundheitlichen Bedürfnisse

4.Koordinierte Versorgung im Zusammenhang mit den anderen Versorgungsebenen.

 

Hausärztliche Versorgung ist "gut", wenn diese vier Ziele erreicht sind. Einige Aufgabenstellungen verlangen ebenfalls eine familienorientierte und auf den sozialen Lebensraum ("Community") bezogene Versorgung.

 

Wer mehr zu den grundsätzlichen Aspekten und ihre Auswirkungen wissen will, sollte den Artikel von Frau Prof. B.Starfield  (John-Hopkins-Universität)von 2005 lesen...

Zum Artikel (auf Englisch)...

 

Die Voraussetzungen einer "guten" hausärztlichen Versorgung sind strukturell erfüllt, wenn der notwendige Versorgungsgrad von 100 % gegeben ist. Im Oberbergischen Kreis droht die hausärztliche Versorgung in den kommenden Jahren drastisch zurückzugehen und in Nordrhein bis 2030 auf durchschnittlich 73% ! Derzeit sind im Mittelbereich Gummersbach (110.000 Einwohner) 8,5 Hausarztpraxen gem. Bedarfsplan nicht besetzt und im Mittelbereich Waldbröl 4.

Dazu s.

 

Die Landesgremien "denken über eine Unterversogung erst nach", wenn der Versorgungsgrad unter 75 v.H. liegt (gem. Bedarfsplanungsrichtlinien nach Stellungnahme der Abteilungsleiterin für Sicherstellung bei der KVNO im Gesundheitsausschuss des Oberbergischen Kreises am 28.11.2013). Zu diesem Zeitpunkt werden 42.000 Patienten im Oberbergischen Kreis bereits in anderen Praxen aufgefangen werden müssen, die allerdings die Kapazität dazu nicht haben, darunter ca. 4.200 Schwerkranke, die 70% der Zeit erfordern.

Die zeitliche Belastung der dann noch existierenden Hausarztpraxen wird auf ca. 84 Wochenstunden hochgehen zzgl. steigender Notdienstbelastung, eine absehbar unerträgliche Situation !

In den Planungen des Gemeinsamen Bundesausschusses  ist eine Übertragung delegationsfähiger Leistungen auf qualifizierte Mitarbeiter. Dieser Entlastungseffekt ist auf maximal 10 v.H. einzuschätzen. Da akut Erkrankte auch mit Bagatellerkrankungen (Atemwegsinfekte,Rückenleiden) dann nicht mehr zeitgerecht wohnortnah zur Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit versorgt werden können, müssen die Notdienste quasi doppelt besetzt werden, um diese Patientengruppe aufzufangen. Die Dienstbelastung steigt dann noch mehr an.

 

Eine aktuell veröffentlichte Studie im Deutschen Ärzteblatt aufgrund einer Förderinitiative der Bundesärztekammer hat aufgrund der Daten von 3,3 Mio. Versicherten von Ersatzkassen und der Rentenversicherung im Zeitraum 2005 bis 2007 untersucht, in welchen Versorgungsstrukturen psychisch Erkrankte versorgt werden. Das Ergebnis: Der größte Teil psychisch Erkrankter und mit über 50% Mehrfachdiagnosen und zu fast 100% mit begleitender körperlicher Erkrankung wird ausschließlich in Hausarztpraxen versorgt und zwar in einem Ausmaß, dass vorhergesagt werden kann: Wenn 30 v.H. der Hausarztpraxen bis 2030 wegfallen, müssten die psychiatrischen Fachpraxen und Institutsambulanzen mindestens verdoppelt werden, um das aufzufangen !

Zur Veröffentlichung .....

 

Der  DOMINO-EFFEKT ist abzusehen: Wenn Hausarztpraxen im Bereich zwischen 100 und 75% des Versorgungsgrades wegfallen, wird es bereits massive Auswirkungen auf den fachärztlichen und stationären Bereich mit bedrohlichem Wegfall einer kontinuierlichen Betreuung von Schwerkranken, psychisch Kranken und einer wohnortnahen Versorgung mit Auswirkungen auf eine vermeidbare Sterblichkeit und ungünstige Erkrankungsverläufe geben. Die 75%-Grenze zur "Feststellung einer Unterversorgung" des Gemeinsamen Bundesausschusses ist rein fiktiv und bildet nicht die absehbaren gefährlichen Szenarien ab !

 

Stand: 21.12.2013

 

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