Hausärzteverband Oberbergischer Kreis
Hausärzteverband Oberbergischer Kreis

Neues Coronavirus (Covid-19) und mögliche Gefahren, organisatorische Anforderungen zur Prävention und Kontrolle

Der Vorstand des oberbergischen Hausärzteverbandes fordert nach Einstufung des Covid-19-Virus in Risikoklasse 3 nach den Arbeitsschutzbestimmungen Gefährdungsanalysen und Verfahrensregelungen für die Notfallpraxen zum Schutz von Mitarbeitern und Patienten.

Vorstand des oberbergischen Hausärzteverbandes fordert gem. Beschluss der Mitgliederversammlung vom 18.02.2020 von  der KVNO und der GMG angesichts einer drohenden Covid-19-Epidemie Gefährdungsbeurteilungen und Verfahrensanleitungen nach Arbeitsschutzbestimmungen (TRBA / BiostoffVO) für die Notfallpraxen. Diese gelten auch für Arztpraxen.

 

Nach den aktuellen Risikoanalysen des ECDC steigt das Risiko zu Clusterbildungen und schneller Ausbreitung des Covid-19- Virus in den europäischen Ländern- wie derzeit in Italien- mit zunehmender Gefahr zu einer Covid-19/ SARS-2nCov-Epidemie. Das Covid-Virus ist aktuell von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in die Riskoklasse 3 eingestuft werden, womit die entsprechenden Bestimmungen der TRBA 250 und der BioStoffVO gelten mit notwendiger fachlich qualifizierter Riskobeurteilung und Verfahrensanleitungen in Verantwortung der Betreiber von Gesundheitseinrichtungen.

 

Dieses gilt somit auch für die Notfallpraxen in Trägerschaft der KVNO/ GMG.


Wir fordern deshalb für den oberbergischen Hausärzteverband, unverzüglich für die bestehenden Notfallpraxen im Oberbergischen Kreis solche Maßnahmen zu treffen und bekanntzugeben und fügen die einstimmige Beschlussfassung der Mitgliederversammlung vom 18.02.2020 bei (s.u.).

Ohne solche Maßnahmen schätzen wir in den Wartebereichen und bei engen räumlichen Verhältnissen wie z.B. in der Notfallpraxis in Gummersbach die Übertragungsrisiken für Patienten und Mitarbeiter als hoch ein.
Ohne Gefährdungsanalysen und risikomindernde Maßnahmen nach der TRBA können im Epidemiefall keine Mitarbeiter in den Notfallpraxen eingesetzt werden oder Ärzt*innen zum Einsatz kommen, da diese keine Organisationshoheit über die räumlichen Verhältnisse haben und nur bedingt bei Massenandrang von Erkrankten die Situation gefahrenmindernd strukturieren können.

 

Einstimmige Beschlussfassung der Mitgliederversammlung des oberbergischen Hausärzteveebandes am 18.02.2020:

"Risikobeurteilung von Notfallpraxen für besondere epidemiologische Lagen bei epidemischer Ausbreitung hochpathogener Keime gefordert
 
Die Mitgliederversammlung des oberbergischen Hausärzteverbandes fordert:
Jederzeit können sich bedeutsame epidemiologische Situationen entwickeln. Auf dem Hintergrund der sich noch hinsichtlich der Auswirkungen auf Deutschland unklar entwickelnden Verbreitung und Auswirkungen  von 2019-nCorV (Covid-19) und ggfs. anderer  hochpathogener Keisme mit Ausbreitungen über Tröpfchenbildungen und Aerosole  sollen Risikobeurteilungen für die bestehenden Notfallpraxen durch den jeweiligen Träger erfolgen und risikomindernde Konzepte entwickelt werden.
Es gilt vorbereitet zu sein.
Ein Zustrom von Patienten in Notfallpraxen mit unklarem Infektionsstatus, fehlender Triage vor Eintritt in engbestuhlte Wartebereiche, Wartezeiten mit Expositionsrisiken und eingeschränkte Isoliermöglichkeiten stellen für Patienten, Betroffene und Mitarbeiter ein Risiko dar, welches in besonderen epidemiologischen Situationen (Public Health Emergency) sich völlig unkontrolliert entwickeln kann.
Nach ECDC-Kriterien stellen Notfallpraxen Schlüsselbereiche in der ersten Kontaktlinie dar und müssen aktiv in Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle einbezogen werden."

 

https://www.baua.de/DE/Angebote/Aktuelles/Meldungen/2020/2020-02-19-Coronavirus.html

Am 24.01.20 erschien in NEJM ein "Brief Report" unter dem Titel

"A Novel Coronavirus from Patients with Pneumonia,China 2019". Der Originalartikel liegt uns vor. Die Autoren des CDC ind China und von chinesischen Universitäts- und Forschungseinrichtungen beschreiben, wie bei drei stationär behandelten Patienten mit unbekannter Pneumonie aus Wuhan , von denen 1 im Verlauf unter Beatmung verstarb. Die Patienten "were epidemiologically linked to a seafood and wet animal wholesale market in Wuhan, Hubei Province, China."


Ein Team von Spezialisten im Rahmen einer " Rapid response" arbeiteten Bronchiallavagen mit molekularen Techniken und Biosequenzmethoden auf und fanden ein bislang unbekanntes zur Coronavirus-Gruppe gehörendes Virus, welches als 2019- nCorV bezeichnet wurde. Seit 11.02.2020 ist die offizielle Bezeichnung: Covid-19.


Seitdem laufen in großem Stil Maßnahmen zur Infektions- Prävention und -Kontrolle (IPC) mit Abriegelung von Großstädten und Regionen mit insgesamt 53 Mio. Einwohnern, Verstärkung von Ordnungsmaßnahmen und Mitarbeitern des Gesundheitswesens bei massiver Inanspruchnahme der Krankenhäuser, Ansteigen der Erkrankungszahlen und der tödlichen Verläufe. es handelt sich um einen großen Ausbruch eines neuen und hinsichtlich der Auswirkungen unbekannten Erregers.
Die Autoren schreiben in der Zusammenfassung des o.a. Artikels:
"Of critical importance are epidemiologic investigations to characterize transmission modes, reproduction interval, and clinical spectrum resulting from infection to inform and refine strategies that can prevent, control, and stop the spread of 2019-nCoV."

Das heißt im Klartext, dass sowohl der Übertragungsmodus , das Verhalten des Virus in befallenen Organismen und das klinische Erscheinungsbild und die Häufigkeit schwerer und tödlicher Verläufe völlig unklar sind.

 

Ein medizinisch-wissenschaftlicher  Artikel von 2018  beschreibt die epidemiologischen Landkarte in China zu ausbrechenden und wiederausbrechenden Infektionen in der Entwicklung seit Anfang des Jahrtausends und die treibenden Faktoren, darunter ökologische Faktoren, Klimawandel und Urbanisierung. Neue Virustypen entstehen und können unter den Bedingungen zu Ausbrüchen und Mensch-Übertragungen führen.

 

Es wird  klar, dass wir uns hier auch in Deutschland sehr viel besser aufstellen müssen angesichts der schnellen Ausbreitungen durch den internationalen globalisierten Reiseverkehr und des Auftauchens völlig neuer Erregertypen, die zu Pandemien führen können.

 

Die notwendigen Maßnahmen für z.B. Notfallambulanzen und den ambulanten Bereich, wie es WHO, CDC und ECDC vorschlagen zu Früherkennung, Isolierung und enger Zusammenarbeit mit dem ÖGD empfehlen, sind in den Empfehlungen des RKI nicht enthalten, da diese nur von der KRINKO für den stationären Bereich entwickelt wurden.
Die Maßnahmen zur Infektions-Prävention und -Kontrolle  (IPC) stellen insbesondere an den Stellen mit Erstkontakten eine entscheidende Größe dar.


In vielen Ländern haben die Konzepte zu Rapid Responses zu umfangreichen Organisationskonzepten geführt , die in der Alarmierungsphase Webinare, Videokonferenzen und schnelle Kommunikationswege umfassen und Fortbildungs- und Trainingseinheiten in der Vorbereitungsphase umfassen.

 

Der Vorstand des oberbergischen Hausärzteverbandes hält es für ratsam, sich organisatorisch auf einen Ausbruch hochpathogener Infektionen  vorzubereiten mit IPC-Maßnahmen , deren Kernelemente auch auf Hausarztpraxen als mögliche Erstkontaktstellen mit Erkrankten zutreffen.

Die möglichen Abläufe sollen im hausärztlichen Qualitätszirkel und in der Lenkungsgruppe der Haus- und Kinderärzte Oberberg besprochen und mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst ausgetauscht werden. Ebenfalls halten wir es für enorm wichtig, dass Vorbereitungen für den ärztlichen Notdienst und die Notfallpraxen getroffen werden. Zielführend sind für uns neben den lückenhaften nationalen Empfehlungen für den ambulanten Bereich die IPC-Empfehlungen der WHO zu 2019-nCorV und des ECDC . Diese sollen in der Anwendung auf Hausarztpraxen mit den Kolleg*innen erörtert werden .

 

Gummersbach, den 27.01.2020 und 11.02.2020

 

 

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