Hausärzteverband Oberbergischer Kreis
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HAUSARZT-NEWS Oberberg 10.12.2018 - Grüße aus Katowice/Kattowitz vom Global Climate and Health Summit (WHO) am 08.12.2018

Viele Grüße aus Katowice!

Bei der Konferenz " Globaler Klimawandel und Gesundheit" der WHO , an der ich vorgestern in Katowice teilnahm, kam ein kurzer Bericht zum Verhandlungsstand bei der Weltklimakonferenz COP24. Die nationalen Interessen scheinen leider im Vordergrund zu stehen und es gibt offensichtlich einen Stillstand. Jetzt kommt es zur  politischen Phase der Verhandlungen .

Im Paris-Abkommen fehlten bislang die gesundheitlichen Aspekte des Klimawandels. Diese sind jedoch enorm und inzwischen weitgehend konkreter dargestellt. Ebenfalls wurde seitens der WHO festgestellt, dass die Investitionen gegen den Klimawandel prognostisch  geringer  sind als die enormen Folgekosten für  Gesundheit insgesamt, falls keine energischen Maßnahmen getroffen werden. Der globale Klimawandel betrifft aktuell am meisten  Länder im Pazifik, in Asien und Afrika.

"Ärzte ohne Grenzen" sind mit 45.000 Mitarbeitern in allen Erdteilen vertreten und sammeln  viele Informationen wie auch die Environmental Health-Gruppen u.a. zu den Fluchtbewegungen durch massive Klimaauswirkungen durch Trinkwasser- und Ernährungsmangel. Die gefährdetste Gruppe sind Kinder. Der IWF geht von 120 Mio. Klimaflüchtlingen weltweit bis 2050 aus.


Bis auf zwei Medizinstudentinnen der Internationalen Medizinstudenten Vereinigung (IFMSA) war ich der einzige Teilnehmer aus Deutschland (akkreditiert für den Hausärzteverband Nordrhein). Ansonsten waren  Repräsentanten und Organisatoren von NGO's da und Vertreter von WHO-Arbeitsgruppen.

Zum Veranstaltungsablauf und Programm, welches von Jenni Miller, Global Climate and Health Alliance (GCHA) nach einem aus Genf übertragenen Videogruß des Generalsekretärs der WHO Dr. Tedros moderiert wurde:
http://www.climateandhealthalliance.org/events/summit-cop24

Ein wesentliches und wichtiges Papier mit Forderungen der WHO wurde aktuell  in den Verhandlungsprozess der COP24 eingebracht, um das mit vielen Fakten untermauerte Thema Gesundheit und Klimawandel  in Bewertungs-, Handlungs- und Finanzierungsmodelle auf die Agenda zu setzen. Dieser wurde von dem wesentlichen Autor des Berichts, Dr.Diarmid  Campbell-Lendrum , vorgestellt.

Dazu s. Anlage.

Ein Interview mit Diarmid Cambell-Lendrum zu den Schlüsselpunkten:
https://youtu.be/1LTZyWTmBmM

Gesundheit ist der Schlüsselfaktor!
-Es müssen resiliente Gesundheitssysteme weltweit aufgebaut werden. (In Deutschland bislang keine Vorbereitungen)
-Mitigation, also massive Maßnahmen gegen den Klimawandel sind erforderlich (Decarbonisation), um die Folgen sind gering wie möglich zu halten (1,5 Grad-Ziel).
-Die Finanzierung muss geklärt werden!
-Nicht-Handeln führt zu hohen Opferzahlen, Strukturverlusten und Überforderungen!

Investitionen gegen den Klimawandel dienen dem Gesundheitsschutz . Erfolgen diese nicht, wird es demnächst Überforderungsszenarien geben und Zusammenbrüche unter anhaltenden Katastrophen-Szenarien .



Regionale Beispiele:

Indien wird extrem hitzebelastet werden mit hohen Bevölkerungsteilen (600 Mio.). Indien ist inzwischen einer der höchsten Investitoren in erneuerbare Energien.

In Polen ist Kohleausstieg kein Thema auf der politischen Ebene. Lokale Umweltgruppen wie "Pro Silesia" und Kommunen kämpfen für die "Black to Green"- Transformation und sozial abgefederte Maßnahmen wie früher im Ruhrgebiet.
In Katowice riecht man die Kohle, ein Geruch, den ich von früher aus dem Ruhrpott kenne.

Prof. Tadeusz Zielonka, Universität Warschau, Faculty for Family Medicine, berichtete zum Smogproblem, den gesundheitlichen Auswirkungen und der fehlenden Kenntnis von Ärzten zu den Zusammenhängen. Er betreibt Forschungen dazu und ein Smog-Lab.

Also viele Inhalte,Themen  und Handlungsbedarf und demgegenüber nationale Blockaden. Die Zeit droht davonzulaufen!

Eine Vertreterin des Weltärztebundes berichtete von massiven Regenfluten in Kuwait und Sandstürmen in Abu Dabi in einem nicht gekannten Ausmaß.

Die Botschaft ist klar: Jetzt handeln und Gesundheit in der Verbindung mit dem Klimawandel zum Schwerpunkt machen !


Oberberg wird hinsichtlich Landwirtschaft, Waldsterben , Hitzeperioden (schwächer als in Köln) und Starkregenereignisse betroffen werden und wahrscheinlich  auch  durch Klimaflüchtlinge. Ebenfalls wird es zu Arbeitsausfällen durch Hitze kommen und vielleicht Einbrüche bei der Trinkwasser- und Benzinversorgung. Es drohen Hitzetote  bei Risikopersonen und in den Hitzeperioden Ausfälle von Arbeitskräften . Sehr viel stärker wird Köln betroffen werden, welches als Hitzeinsel bei Kaltluftzufuhr ebenfalls Tornados entstehen lassen kann.

Durch den Klimawandel ist bereits  Ausbreitung von Pflanzenallergenen (Ambrosia) zu beobachten, die die Astmahäufigkeit bei Kindern von 22 auf 50 Prozent ansteigen lassen wird. Ebenfalls werden neue und in unserer Region unbekannte Krankheitsüberträger kommen wie z.B. die Tigermücke.

Auch für Oberberg gilt wie weltweit: den Klimawandel als massive Gefahr wahrzunehmen und sich gesamtgesellschaftlich auf den notwendigen Wandel einzulassen, diesen zu gestalten und damit auch bei geringeren Investitionssummen als Schadenssummen durch ungebremste Entwicklungen eine bessere Gesundheit für alle zu erreichen.

Ob es gelingt, den maximalen Anstieg der Erdtemperatur bereits mit deutlichen Folgen bei 1,5 Grad zu begrenzen  ( aktuell liegt sie bei 1 Grad) oder bei 2 Grad (mit bereits Auswirkungen auf Kippelemente im Erdsystem und ) oder bei einem Weiter-So ohne effektive Maßnahmen gegen den Klimawandel bei über 3 Grad mit massiver Bedrohung weltweit der Lebensgrundlagen und der Gesundheit , wird bereits das Leben der jetzt Geborenen stark beeinflussen.

Der gemeinsame Kampf gegen den Klimawandel und die verursachenden Faktoren ist eine Menschheitsaufgabe, in der ebenfalls die Starken die Schwachen nicht auf der Strecke lassen dürfen und durch wachtsumsorientierte Prozesse auf dem Boden der fossilen Brennstoffe allen die Lebensgrundlagen entziehen.

Zum heutigen Tag des 70-jährigen Jubiläums der Deklaration der universellen Menschenrechte als Grundlage des Zusammenlebens auf der Welt gilt ebenfalls, die Menschenrechte zur Grundlage der gemeinsamen
Bemühungen gegen den Klimawandel zu machen gegenüber nationalen und Gruppeninteressen. Im bedeutsamen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit kommt dabei  Ärztinnen und Ärzten eine Schlüsselrolle zu .


Mit kollegialen Grüßen

Ralph Krolewski

 

 

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