Hausärzteverband Oberbergischer Kreis
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Nachhaltigkeitspolitik mit einer verknüpften Klimaschutzpolitik, die die Erdsysteme und damit die Lebensgrundlagen erhält, bedarf keiner Einzellösungen sondern systemischer Lösungen

13.12.2019

Im Dezember 2019 stellten die Wissenschaftler*innen von Future Earth und The Earth League in Madrid ein neues alarmierendes Dokument vor: "10 neue Einsichten in den Klimawandel":

 

Die zehn im Bericht vorgestellten Erkenntnisse sind:

 

 1.   Die Welt ist nicht auf dem richtigen Weg, die im Pariser Abkommen vereinbarten Emissionen zu senken.

 

 2.   Der Klimawandel verläuft schneller und stärker als erwartet und hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit.

 

3.    Der Klimawandel „lässt keinen Berggipfel aus“, unter anderem mit Veränderungen an Gletschern, Schnee und Eis in Bergen, die die Wasserverfügbarkeit von über einer Milliarde Menschen bis zur Mitte des Jahrhunderts beeinflussen und irreversible Auswirkungen auf die Gebirgsökosysteme und deren Artenvielfalt haben dürften.

 

 4.   Wälder sind bedroht, der Klimawandel verschärft Waldbrände und die Kohlendioxiddüngung (CO2) wird zunehmend durch Temperaturerhöhungen ausgeglichen, die die Baumsterblichkeit erhöhen können.

 

 5.   Wetterextreme sind 2019 zur „neuen Normalität“ geworden, und den Gesellschaften fehlt häufig die Zeit, sich vollständig zu erholen, bevor ein anderes Ereignis eintritt.

 

 6.   Die Artenvielfalt ist bedroht. Mindestens 99% der Korallenriffe verschwinden möglicherweise aufgrund von Versauerung des Ozeans, Hitzewellen und anderen Belastungen bei 2 ° C und Süßwasserfischsterben können sich bis 2050 aufgrund extremer Sommertemperaturen verdoppeln.

 

7.    Der Klimawandel bedroht die Ernährungssicherheit und die Gesundheit von Hunderten von Millionen Menschen, da steigende CO2-Konzentrationen die Nährstoffqualität der meisten Getreidepflanzen mindern und die weltweiten Fischbestände weiter sinken werden.

 

8.    Die am stärksten gefährdeten und armen Menschen sind am stärksten vom Klimawandel betroffen, der unvermindert den Fortschritt in den Entwicklungsländern behindern wird, und ein Versäumnis, ihn einzudämmen und sich anzupassen, könnte bis 2030 100 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze drängen.

 

9.    Gerechtigkeit und Gleichheit sind entscheidend für eine erfolgreiche Eindämmung und Anpassung, wobei soziale Gerechtigkeit als wichtiger Faktor für die Widerstandsfähigkeit und die lokale und globale Zusammenarbeit herausgestellt wird.

 

10.Es könnte an der Zeit sein, soziale Wendepunkte in Bezug auf Klimaschutz zu setzen. Immer mehr Bürger sind besorgt über den Klimawandel und tiefgreifende und langfristige Transformationen, erforderlich , um das Pariser Abkommen und die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

 

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Oktober 2019

 

Die Aussage zu erforderlichen systemischen Lösungen gegenüber Einzellösungen und Herumdoktern an Einzelprodukten hat der in Gummersbach gebürtige Klimaforscher (PIK) Jonathan Donges bei seinen kürzlichen im Oktober 2019 Vorträgen in Bergneustadt und Nümbrecht getroffen.

Systemische Lösungen betreffen insbesondere die Bereiche Energie, Verkehr,Landwirtschaft und Ernährung sowie Produktion und Konsum, da von diesen ausgehend die Erdysteme, die lebenserhaltenden Systeme und die Qualität der Luft, des Bodens, des Wassers und der Ozeane sowie der Biodiversität in den Ökosystemen betroffen und demnächst irreversibel geschädigt sein werden, wenn keine Stabilisierung gelingt.

Im Bereich Verkehr z.B. geht es um die Entwicklung integrierter Mobilitätskonzepte, die gleichzeitig den Zielen sozialer Gerechtigkeit ("Jeder kann über Mobilitätsangebote Arbeitsplätze, Bildungseinrichtungen, soziale Einrichtungen erreichen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen"), Effizienz (Einsatz der Mittel zum Erreichen der Ziele), Sicherheit ("Null Verkehrstote") und nachhaltiger Mobilität ("<0,3 t CO2 pro Kopf pro Jahr für Mobilität angesichts aktuell 2,7 t pro Kopf "Otto Normalverbraucher" in Deutschland nach Zahlen des Umweltbundesamtes) folgt.

Es handelt sich also in der "Verkehrswende" um eine systemische Änderung , die umfangreiche Planungen und Investitionen in die Infrastruktur für integrierte Mobilitätskonzepte beinhaltet bei gleichzeitig Rückfahren der Investitionen für motorisierten Individualverkehr . Eine Gegenfinanzierung kann u.a. durch den Wegfall der Subventionen für dreckige Energieträger erfolgen (63,9 Mrd. USD jährlich bei den G20-Ländern, 4,9 Mrd. Euro jährlich in Deutschland) .

http://www.caneurope.org/publications/reports-and-briefings/1808-fossil-fuel-subsidies-in-draft-eu-national-energy-and-climate-plans-shortcomings-and-final-call-for-action

Bei Internalisierung der Folgekosten des Verkehrs (149 Mrd. Euro pro Jahr in Deutschland) können wirksame Umlenkungen über Ökobilanzierungen und CO2-Bepreisungen erfolgen. Die empirischen Daten z.B. aus Kopenhagen , die Investitionen in nachhaltige Mobilitätskonzepte mit sozialen und gesundheitlichen und ökologischen Kosten und Vorteilen verknüpfen, konnten nachweisen, dass jeder mit dem PKW gefahrene km nur Kosten und Schäden hervorruft und jeder aktiv zurückgelegte km in attraktiven urbanen "grünen" Lebensräumen Gewinne bringt, die gleichzeitig das Gesundheitswesen und die kommunalen Finanzen entlasten.

Eine weltweite Darstellung dazu als "Roadmap" zu nachhaltiger Mobilität wurde kürzlich veröffentlicht: "Global Roadmap of Action" ("Mobility for All", "World Bank Group", "German Cooperation") mit einer komplexen und systemischen Agenda zur Verkehrswende mit den o.a. Zielsetzungen.

http://pubdocs.worldbank.org/en/350451571411004650/Global-Roadmap-of-Action-Toward-Sustainable-Mobility.pdf

 

 

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