Hausärztinnen- und Hausärzteverband Oberberg
Hausärztinnen- und Hausärzteverband Oberberg

Pressemitteilung vom 30.06.26           Hitze-Notfallpläne für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kindergärten und Schulen offenlegen !

Die nächste Hitzewelle kommt bei zunehmendem Klimawandel durch Treibhausgase mit überhitzten Gebäuden und zunehmenden Gesundheitsgefahren

 

Oberbergischer Hausärztinnen- und Hausärzteverband fordert aufgrund der aktuellen Entwicklungen mit angestiegenen Opferzahlen:

 

Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sowie Schulen und Kindergärten sollen ihre Hitzeschutzmaßnahmen und Maßnahmen zur Senkung kritischer Innenraumtemperaturen offenlegen und ihre Hitzenotfall-Pläne

 

Die Einsatzberichte und Presseberichte zu den Folgen und Auswirkungen der bis 28.06.26 bestehenden Extremhitze bei Hitzedom weisen den Ernst der Bedrohungen auf: Vervierfachung der Einsatzzahlen und Reanimationen sowie der Todesfälle. Hitzschläge traten auch bei Vorsichtsmaßnahmen bei gesunden Personen in überhitzten Gebäuden auf.

 

Bei fehlenden Zufluchtsmöglichkeiten in kühle Räume tritt bei steigender Überwärmung von Gebäuden bei mehrtägigen Hitzewellen eine kritische Wärmebelastung in den Innenräumen auf. Das betrifft auch Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kindergärten und Schulen.

 

Diese Gefahren werden nicht nur durch die Außentemperaturen abgebildet, sondern durch  den auf die Gesundheit in belastenden Innenräumen wirkenden Hitzeindex:

Je höher die Luftfeuchtigkeit , desto höher der Hitzeindex bei gleicher Temperatur, da durch den erhöhten Dampfdruck der Umgebungsluft die körpereigenen Schutzmechanismen im Umgang mit Hitzestress beeinflusst werden.

 

Bei einer Luftfeuchtigkeit z.B. von 70% kann der Körper nicht mehr schwitzen und die Körpertemperatur steigt bis zum Hitzschlag an. Bei einer Innenraumtemperatur von 34 Grad C wird eine gefährliche Schwelle für Senioren, akut und chronisch Kranke ab 40 Prozent Luftfeuchtigkeit überschritten mit Eintritt in den Hochrisikobereich ab 60 Prozent. In der vergangenen Woche wurden solche Raumtemperaturen in Krankenhäusern mit Flachdächern in den oberen Etagen und in Pflegeeinrichtungen erreicht.

 

Gleichzeitig ist für Pflegeberufe mit einer Arbeitsschwere von 300 Watt ab 30 Grad die Leistungsfähigkeit mit 40 Prozent aufwärts gemindert.

Arbeitsrechtlich sind kühle Pausen erforderlich.

 

2023 hat unser Kreisverband eine „Task force Hitzeschutz in Oberbergischen Gesundheitseinrichtungen“ ins Leben gerufen , die dreimal tagte.

 

Beteiligt waren drei Träger von Pflege- und Gesundheitseinrichtungen . Sie haben  Hitzeschutzkonzepte  in ihren Einrichtungen entwickelt, Organisationskonzepte entwickelt und Verantwortliche benannt.

 

Krankenhäuser waren nicht vertreten .Die Kreisverwaltung sah keine verpflichtende Notwendigkeit trotz Darstellung der Hitzegefahren durch einen Vertreter des damaligen Landeszentrums für Gesundheit im Gesundheitsausschuss, unterstützend tätig zu werden , z.B. durch Weiterleitung von Infos an einen e-mail-Verteiler von Gesundheitseinrichtungen und 80 Pflegedienste im Kreisgebiet.

 

Für Hausarztpraxen wurde bereits 2020 ein gestufter Maßnahmenplan zum Hitzeschutz veröffentlicht.

 

Hintergrund war die Mitarbeit im Klimaadaptationsnetzwerk des Umweltbundesamtes und bei Klimawandel und Gesundheit e.V., inzwischen in Vernetzung mit internationalen ärztlichen Klimaschutzgruppen mit 42 Mio. Gesundheitsberufen und der Bundesärztekammer. Näheres dazu auf der Homepage unseres Kreisverbandes bei „Klimawandel und Gesundheit“ unter „Hitzewellen“.

 

Die Weltgesundheitsorganisation in Europa hat inzwischen einen umfangreichen Leitfaden für Gesundheitsschutz bei Hitzewellen im Juni 2026 veröffentlicht mit acht Kernelementen, darunter auch Hitzeschutz für die Gesundheitsberufe.

Die Gefahr bei extremer Hitze durch die sich erwärmenden Gebäude wird dabei deutlich benannt. Die Vorläuferversion, auf die auch Einrichtungen des Bundes für den Gesundheitsbereich hinweisen, stammte von 2007.

 

Für Menschen, die in Gesundheitseinrichtungen und Pflegeeinrichtungen betreut werden und darauf angewiesen sind, dass ihre Gesundheit nach Erfassen und Eintreten von Risiko-Situationen aktiv geschützt wird ist es wichtig, dass der Hitzeindex in den Räumen unterhalb der Risikoschwelle gehalten wird bzw. überwacht wird .

 

Es ist  aus unserer Sicht zwingend notwendig, dass sie und Angehörige erkennen können, ob ein Krankenhaus oder Pflegeeinrichtung Maßnahmen zum Hitzeschutz ergreift und in welchem Umfang. Diese gilt auch für Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen.

 

Der Vorstand des Oberbergischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes fordert deshalb, dass von den aufgeführten Einrichtungen die entwickelten organisatorischen und gebäudeseitigen Hitzeschutzmaßnahmen und Ansprechpartner veröffentlicht werden sowie Kooperationen dazu in der Kommune und im Kreisgebiet und Reaktionen bei gefährlichen Schwellenwertüberschreitungen und Überforderungssituationen (Hitzenotfall-Pläne).

 

Es sollte selbstverständlich sein, an das Hitzewarnportal des Deutschen Wetterdienstes angeschlossen zu sein und das neue Naturgefahrenportal, um Frühwarnzeiten zu nutzen.

 

Dr. med. Ralph Krolewski                         Dr.med. Thomas Aßmann

Gummersbach, den 30.06.2026

 

 

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